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Der Goldene Kompass (eine Splittermond Fanarbeit) – gespielt und rezensiert

Gleich mal vorweg: Ich war im Vorfeld ehrlich gesagt etwas skeptisch, was dieses „Fan“abenteuer betrifft. Auf jeden Fall könnte ich persönlich mir nur sehr schwer vorstellen, ein Abenteuer für ein Rollenspiel (respektive den Schnellstarter dazu) zu schreiben, für das ich im Vorfeld Worte wie „das System ist Mist“, „Splittermond ist jetzt schon Makulatur“ und „In die Tonne klopfen“ verwendet hatte. Aber diese früheren Aussagen des Autors habe ich einfach mal außen vor gelassen und mich auf das Spielerlebnis selbst konzentriert.

So habe ich also an den letzten beiden Freitagen das Abenteuer „Der Goldene Kompass“ geleitet. Meine 3 Mitspieler haben die Rollen von Arrou, Keira und Tiai verkörpert. Mit denselben Personen (plus einem weiteren Spieler, der diesmal nicht dabei war) hatte ich auch bereits „Die Bestie von Krahorst“ und „Nacht über Tannhag“ gespielt. Wir hatten definitiv auf weite Strecken eine launige Zeit mit dem Abenteuer – und das ist doch schon einmal die halbe Miete. Was die Dauer betrifft, haben wir insgesamt ca. 9 Stunden gespielt (reine Nettospielzeit, aufgeteilt auf 2 Abende).
Wer weniger Wert darauf legt, Situationen und Gespräche auszuspielen und öfter einfach nur die Würfel entscheiden lässt, ohne viele Worte zu finden, der benötigt möglicherweise nur die Hälfte der Zeit. Schön fand ich übrigens, dass es eine Abwechslung zu den anderen beiden bisher veröffentlichten Splittermond-Abenteuern gab, die in einem eher abgegrenzt wirkenden Bereich ohne buntem Treiben und Menschenmengen angesiedelt waren.

Die einführenden Worte haben mir gut gefallen und brachten gleich etwas Atmosphäre ins Spiel. Leider musste ich mir trotzdem sehr viel an stimmiger Beschreibung aus den Fingern saugen, was den Weg in den Rachen und zu Ansahs Laden sowie generell die Beschreibung der Gassen und Plätze, in denen die Abenteurer unterwegs waren, betrifft. Das liegt aber wohl vor allem daran, dass es einfach noch zu wenige offizielle Hintergrundinfos gibt, die verwendet werden konnten. Evtl. hätte der Autor hier selbst etwas mehr dazu erfinden können, aber zu viel sollte man von einer Fanarbeit wahrscheinlich auch nicht erwarten. Lobend erwähnen möchte ich auch noch die farbigen Pläne, die der Autor bereitstellt.

Fast etwas zu schnell trafen die Charaktere nun also gleich auf die ersten vier Schwarzfische (inkl. der ersten Wahrnehmungsprobe samt Konsultierung der Erfolgsgrade-Tabelle) und nach kaum zwei Sätzen kam es zur handfesten Konfrontation. Ich hatte eine glückliche Würfelhand und so kamen die Spieler ein wenig ins Schwitzen, bevor sie zwei der Schläger töten konnten und der Rest geflohen ist. Eine aktive Abwehr von Tiai zeigte sogar eine Katastrophe und so entschied ich, dass sie auf dem glitschigen Boden ausrutscht und ins Wasser stürzt.
Während sich die Albin noch aus dem Wasser zog, wurde von den anderen der gefesselte Fleckengnom samt Sprengfass entdeckt und Arrou diskutierte kurz mit Keira, ob man brennende Lunten auspinkeln könnte… Letztlich entschied man sich dann aber dafür, sie mit einem Dolch abzuschneiden bzw. herauszuziehen. Im Abenteuer ist nicht angegeben wie einfach oder schwer dies unter Anspannung und Zeitdruck ist, daher habe ich mich für Fingerfertigkeitsproben (Zielwert 15) entschieden.

Ansah und sein Laden konnten jedenfalls gerettet werden und er erzählte auch gleich von dem Flüchtling und dem Kompass. Nun kam aber erst mal eine gewisse Ratlosigkeit auf, was man denn nun tun könne. Sich zu dritt mit einer ganzen Verbrecherbande anlegen? Ansah aus der Stadt schaffen, da es naheliegend war, dass die Schwarzfische zurück kommen könnten, um ihr Werk zu vollenden? Die Exekutivkräfte einschalten, da ja schließlich ein Geschäftsmann verletzt und beraubt wurde und zudem ein Mordversuch per Sprengfass stattgefunden hat? Wohin mit den beiden Leichen? Und wie viel ist es Ansah wert, den Kompass zurück zu bekommen und dass die Abenteurer dafür ihr Leben zu riskieren?

Ich musste (in der Rolle des Gnoms) die etwas ratlosen Spieler ein wenig animieren, erst einmal mehr über den Verkäufer und die Diebe herauszufinden, bevor weitere Schritte gesetzt werden. Nun stand jedoch sofort die Frage im Raum, wohin und zu wem man denn gehen sollte um etwas über den Flüchtling und vormaligen Kompassbesitzer in Erfahrung zu bringen. Gleiches galt bezüglich Informationen über die Diebe. Zwar gibt es im Abenteuer Tabellen und einen Zielwert auf Straßenkunde, aber meine Spieler sind es nicht gewohnt, dass man lediglich sagt: „Würfelt einfach auf xy und ich sage euch dann, was ihr irgendwo in Erfahrung bringen konntet“. Sie wollten das gerne ausspielen, Tavernen aufsuchen, sich in den Gassen herumtreiben, mit potentiellen Informanten o. ä. sprechen, Leuten die sich in der Szene auskennen, etc.
Im Abenteuer selbst wird hierauf aber leider kaum eingegangen. Der Autor geht scheinbar davon aus, dass derartige Informationsbeschaffung einzig und allein durch eine Würfelprobe abgehandelt wird. Ich will das nicht verurteilen, es ist aber einfach nicht mein Spielstil. Ein paar erklärende Worte, wo man von wem die Informationen erhalten kann, die in den Tabellen stehen, wären jedenfalls schön gewesen. Ich habe also improvisiert und letztlich haben sie SC einige Informationen über den Flüchtling, die Schwarzfische und die Dampfspringer zusammen tragen können.

Allerdings war es wieder Tiai, die bei ihrer Straßenkundeprobe eine 3 gewürfelt hat und somit bekamen laut EG-Tabelle „die Schwarzfische gesteckt, dass jemand nach ihnen fragt und verstärken daher ihre Leute um 2 Bandmitglieder“. Ah ja. Dass zwei von ihnen getötet wurden und die anderen vom Laden des Gnoms vor einem Varg, einer Blitze schleudernden Kettensichel-Albin und einer Protectorin geflohen waren, hat sie also nicht dazu bewegen können, Leute zu mobilisieren. Dass jemand nach ihnen fragt aber schon… Und mir fehlte auch eine Angabe, wie die Schwarzfische weiter vorgehen wollen, nachdem ihre Sprengfassaktion offensichtlich vereitelt wurde. Ist ihnen das egal? Kümmern sie sich nicht weiter darum, dass bewaffnete Leute, die dem Gnom zu Hilfe gekommen sind, zwei Schwarzfische getötet haben? Kein weiterer Versuch den Gnom (mund)tot zu machen? Keine Sorge, dass die drei kampferfahrenen Charaktere weiteren Ärger verursachen werden?

Auf jeden Fall haben die SC den Plan gefasst, Cara eine Botschaft zukommen zu lassen und sich mit ihr am frühen Abend auf der schwimmenden Karte (= neutraler Boden mit vielen Leuten, wo man nicht befürchten musste, sofort angegriffen zu werden) zu treffen. Ebenfalls im Raum stand die Möglichkeit, einige Dampfspringer anzuheuern und sich radikal der Schwarzfische zu entledigen. Schließlich könnte sich Ansah wohl nie wieder sicher fühlen, solange ohne gütlicher Einigung noch einer der Schwarzfische am Leben ist und man den Kompass evtl. lediglich „zurückgestohlen“ hätte.

Das Treffen auf dem Casinoschiff warf dann natürlich weitere Fragen auf, wie zB jene der Kleidungsvorschriften, ob es Spieljetons gibt, welche Glückspiele (der Autor erwähnt Roulette und Würfel…) es in einem Casino gibt, das ständig schwankt, usw. Ich habe also wieder ein wenig improvisiert und Tiai sowie Keira haben nach Cara Ausschau gehalten, während sich Arrou außerhalb des Kauffahrers verschanzt hatte, um im Bedarfsfall zu Hilfe eilen zu können.
Aber wie sieht Cara eigentlich aus? Darüber findet sich leider nichts Konkretes im Abenteuer. Also erfinden wir wieder selbst etwas. Das Treffen fand jedenfalls statt und die Spieler wollten die Anführerin der Schwarzfische dazu überreden, dass sie ihren Auftraggeber bekannt gibt. Zwar ist es laut Abenteuer theoretisch möglich, die gute Cara mit etwas Silber zu überzeugen, aber irgendwie fand ich das nicht besonders schlüssig – nicht zuletzt da just diejenigen, die zwei ihrer Leute getötet hatten und Caras Pläne gefährdet hatte, plötzlich ihre Zusammenarbeit wollen. Daher entschied ich mich, dass Cara versuchen würde, die Abenteurer reinzulegen. Sie sagte zu, die SC zu ihrem albischen Auftraggeber zu führen, wenn sie dafür entlohnt würde. Doch nachdem sie die Lunare bekommen hatte führte sie die Charaktere in einen Hinterhalt und es kam zum erbitterten Endkampf, der beiden Seiten alles abverlangte. Nach den bisherigen Kämpfen wollte ich die Abenteurer mal richtig fordern und auch die Mächtigkeit der Splitterpunkte (+3 auf bereits gewürfelte Probe, 5 Punkte Schaden ignorieren, etc.) austesten, die den NSC nicht zur Verfügung stehen. Das Ganze endete dann auch (eigentlich sehr untypisch für unsere Runde, weil normalerweise nur sehr selten ein SC stirbt) damit, dass zwei der drei Abenteurer ihr Leben lassen mussten. Aber dass das passieren kann, war durchaus von mir so beabsichtigt, nachdem sie recht gutgläubig mit Cara mitgingen und in ihre Falle getappt sind. Ist auch gar nicht weiter schlimm, denn die nächste Runde Splittermond werden meine Spieler hoffentlich schon mit ihren nach den Betaregeln selbst erstellen Charakteren spielen können. :)

Mein Fazit das Fanabenteuer betreffend:
Die Idee mit dem im Rachen angesiedelten Abenteuer und dass die wenigen Infoschnipsel, die es durch eine Kurzgeschichte gibt, schön aufgegriffen und eine nette Kurzgeschichte rundherum gebastelt wurde, hat mir gut gefallen. Auch dass es für Wahrnehmungs- und Straßenkundeproben eine Abstufung der Erfolgsgrade gab, fand ich ansprechend. Zwar war auch hier bei 3 Erfolgsgraden Schluss, aber in ausgebauter Form sollte das durchaus auch in offiziellen Abenteuern ähnlich aussehen. Gerne hätte ich ähnliche Tabellen auch für andere Fertigkeiten gesehen.
Zugute halten muss man dem Autor natürlich auch, dass er nur die abgespeckten Regeln, Werte, Meisterschaften, Zauber, etc. zur Verfügung hatte und trotzdem etwas Brauchbares daraus gemacht hat. Im Detail hätte man aber sicher noch etwas mehr Farbe und Atmosphäre in die Geschichte einweben können und ein paar Beschreibungen mehr zum WIE bei der Informationsbeschaffung und den Schwarzfischen an sich haben mir gefehlt.

Eine 3+ hat das Abenteuer in meinen Augen auf jeden Fall trotzdem verdient. Wir hatten bis zum dramatischen Ende Spaß mit dem Abenteuer und da es gratis war fand ich es nicht so schlimm, dass ich öfter mal selbst etwas erfinden musste, was nicht angeführt war. Aber ich fand auch „Die Bestie von Krahorst“ ganz ok und würde es ähnlich beurteilen, von daher bin ich da vielleicht einfach nicht so streng mit meiner Kritik wie manch andere ;)

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  1. […] Abenteuer wurde Grimrokh für Splitterträger rezensiert (hier klicken), lieben Dank dafür. Ich bin mit der Rezension sehr zufrieden, denn wer andere Systeme Abseits von […]

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