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Rezension: Splittermond – die Welt

Rezension: Splittermond – die Welt

Knapp ein Jahr nachdem Splittermond angekündigt wurde, knapp 6 Monate nach Beginn der Beta und 2 Monate nachdem er eigentlich erscheinen sollte habe ich ihn endlich in der Hand: Den Weltenband von Splittermond. Der Band ist in zwei Versionen erschienen: Einer “normalen” Version, die sehr den “Wege” Büchern von DSA ähnelt und einer auf 300 Exemplare limitierten Sonderedition, in Kunstleder eingebunden und mit dem Coverbild der normalen Version als Din A1-Poster.
Beiden Bänden liegt weiterhin eine Weltkarte im DinA1 Format bei, die auf der Rückseite auf DinA2 eine Stadtkarte Iorias, der wichtigsten lorakischen Stadt, sowie eine Weltkarte aus Sicht der Lorakier bietet. Weiterhin findet man sofort wenn man das Buch aufschlägt eine Weltkarte ohne Beschriftungen und auf der letzten Seite eine politische Karte des Kontinents. Dabei wurde zum Glück der Fehler vom Aventurischen Atlas nicht wiederholt: Die Karte ist vollständig und nicht bei der Bindung verschoben oder nicht lesbar.
Das Buch selbst ist in folgende Kapitel unterteilt: Einleitung Der Kosmos von Splittermond Der Kontinent Lorakis im Überblick Die Bewohner von Lorakis Die Regionen (jeweils ein Kapitel für: Dragorea, Die Frostlande, Takasadu, Die Smaragdküste, Arakea, Pash Anar und die Länder am Binnenmeer) Von Portalen und Mondpfaden Die Geschichte von Lorakis Die Sprachen von Lorakis Wissen und Wissenschaft Heere, Flotten, Waffen Unterwegs: Handel und Verkehr in Lorakis
Den größten Teil nehmen dabei selbstverständlich die Beschreibungen der Regionen ein, etwas mehr als 200 der 280 Seiten wurden dafür aufgewendet.

Ein riesiger Kontinent Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, wie riesig Lorakis ist. Ein Vergleich mit DSA sei gestattet: Aventurien hat eine Nord-Süd Ausdehnung von etwa 3.000 Kilometern und eine Ost-West Ausdehnung von etwa 2.000 Kilometern. Lorakis hingegen hat eine Ost-West Ausbreitung von mehr als 10.000 Kilometern und eine Nord-Süd Ausbreitung von fast 8.000 Kilometern. Natürlich ist Masse nicht gleich Klasse und ich war anfangs sehr skeptisch ob sich das Entwicklerteam wirklich in einem Band tiefgehend mit einer so riesigen Welt beschäftigen kann. Aber um es kurz zu machen: Das ist dem Team wirklich umfassend gelungen.
Lorakis selbst ist in mehrere Subkontinente aufgeteilt, wobei Dragorea, Pash Anar und Takasadu die größten sind.

Dragorea erinnert dabei sehr an das mittelalterliche Europa, mit einem großen Kaiserreich in der Mitte (Selenia), mehreren kleinen Reichen (Midstad, Patalis, Winholt, Nyrdfing) und in den Randgebieten etwas exotischeren Kulturen, wie das Zwergenreich Westergrom, das von der Zivilisation durch das Unreich getrennt ist, Zwingard mit Wüstenwikingern, die Dragorea vor den Orks beschützen, sowie Tir Durghachan im Norden, wo die Bewohner in engem Kontakt mit Feen und ähnlichen Wesen stehen.

Pash Anar hingegen ist ein orientalisches Setting. Es wird beherrscht vom riesigen Reich Farukan. Im Süden des Subkontinents gibt es eine große Wüste. Farukan ist interessanterweise das Reich, dem am meisten Bedeutung im Weltenband zugewiesen wird, da jede Provinz des Reiches einen eigenen Abschnitt bekommen hat. Dies liegt aber natürlich sowohl an der Größe des Reiches, als auch an den ziemlich großen kulturellen Unterschieden, die Farukan zu bieten hat.

Takasadu wiederrum ist ein fernöstliches Setting, das insbesondere von den zwei sehr unterschiedlichen Reichen Zhoujiang und Kintai dominiert wird. Zhoujiang erinnert an ein chinesisches Setting mit einer kindlichen Kaiserin, die durch einen Militärputsch in ein Klosterexil getrieben wurde und halbkriminellen Triaden, die den Ostteil des Reiches beherrschen. Kintai wiederrum lehnt sich an Japan an. Das Reich, in dem nahezu nur Alben das Sagen haben, wird von einer lebenden Göttin beherrscht, während die restlichen Rassen (Menschen, Zwerge, Gnome und Varge) nur in der Mittel- und Unterschicht zu finden sind.

Ergänzt werden die Subkontinente durch einige weitere Gebiete, wie die Smaragküste (früher auch mal Exotenküste genannt) und die Frostlande. Auch in diesen Gebieten finden sich sehr vielseitige Kulturen, wie die Frynjord, Eiszwerge mit durchaus piratischen Veranlagungen im äußersten Norden und die Afali, ein vor einem drohenden Unheil geflohenes Volk, das auf großen Schiffsstädten lebt und die Dämmeralben, ein sich im Niedergang befindliches Volk von im Dschungel lebenden Alben.

Die verschiedenen Kulturen wurden dabei sehr angenehm miteinander vernetzt und man hat das Gefühl, dass die Welt wirklich (für Rollenspielverhältnisse) organisch gewachsen ist. Ich hatte zumindest bei keiner Kultur das Gefühl, dass sie künstlich an einem Ort gelandet ist. Alle in der Nähe befindlichen Kulturen haben eine gemeinsame Geschichte, wodurch selbst entfernteste Orte in Lorakis über diverse Ecken miteinander zusammen hängen. Genau so und nicht anders sollte eine Welt aussehen.

Im Schnitt bekommt jede Kultur drei Seiten Text, wobei dazu ein Übersichtskasten gehört, eine kurze Einleitung in die Kultur, dann eine geografische Beschreibung, eine längere Abhandlung über die Kultur und schlussendlich eine Zusammenfassung der Geschichte. Das alles wirkt aber nicht künstlich verknappt, sondern gibt genug Informationen um für Spielleiter tiefgreifende Geschichten erzählen zu können ohne zu einschränkend zu wirken. Für das Kaiserreich Selenia wurde auch schon ein Regionalband angekündigt.

Sehr schön: In jeder Kultur und damit in jeder Region gibt es “weiße Flecken”, die garantiert in der fortlaufenden Geschichte keine Rolle mehr spielen werden. So haben Spielleiter sehr viele Orte die sie mit Leben füllen können ohne Gefahr zu laufen, dass diese Orte in einem Abenteuer ganz anders beschrieben werden oder dass es dort größere Umwälzungen gibt.

Kontinent der tausend Götter
Was im Forum zumindest für Diskussionen gesorgt hat ist die Tatsache, dass eigentlich alle Kulturen ihre eigenen Götter haben. Wirklich kulturübergreifende Götter gibt es kaum, weshalb im Anhang auch etwas mehr als 120 Götter kurz beschrieben wurden. Ich persönlich finde das etwas viel und denke, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Ich kann aber verstehen, dass man sich in diesem Punkt von DSA absetzen wollte und das ist wohl auf jeden Fall gelungen. Leider konnte der Band noch nicht tiefer auf lorakische Religionen eingehen, aber ein Band über Götter wurde bereits angekündigt. So lange genügen aber auch die Beschreibungen, die bei den einzelnen Kulturen zu finden sind.

Was gefällt?
Wie schon erwähnt gefällt mir die Vielzahl der Kulturen, die trotzdem wie durch ein großes Netz zusammen gehalten werden, sehr gut. Keine Kultur steht für sich alleine da, sondern alle haben irgendwie Kontakt. Auch die Idee mit den Mondportalen gefällt mir gut. Durch Lorakis ziehen sich 5 Portalwege, die das Reisen erleichtern (und es ermöglichen auch mal schnell riesige Entfernungen zurückzulegen), wobei der Weg nicht immer ganz ungefährlich ist. Das erklärt auch, warum das europäisch anmutende Kaiserreich Selenia in Kontakt mit dem chinesisch anmutenden (ex)Kaiserreich Zhoujiang steht.

Die exotischen Punkte der Welt gefallen mir sehr gut. Neben den bereits oben erwähnten gibt es noch viele andere tolle Gegenden. Außerdem soll es angeblich ein Netz von unterirdischen Höhlen und Regionen geben, in dem sich noch nicht entdeckte Nationen und Völker befinden könnten. Auch bieten viele Beschreibungen in den Büchern tolle Ansätze für Abenteuer. Das Lektorat hat wirklich gute Arbeit geleistet. Zwar gibt es im Band einige Fehler, das habe ich aber in anderen Rollenspielen schon bedeutend schlimmer gesehen. Die Zeichnungen sind wirklich absolute Spitze. Das Buch ist komplett in Farbe gedruckt und dabei sind einige der schönsten Zeichnungen, die ich im Rollenspielbereich je gesehen habe. Hut ab dafür!

Was gefällt nicht?
Ich habe immer noch meine Probleme mit den vielen Göttern. Eventuell gewöhne ich mich dran, aber ein paar weniger hätten wirklich nicht geschadet. Die geografischen Einleitungen bei jeder Kultur in Verbindung mit den geografischen Einordnungen am Anfang des Buches. Da bei jeder Region auch Karten dabei sind hätte man das meiner Meinung nach viel kürzer machen können. Aber das ist zugegeben Meckern auf wirklich hohem Niveau.

Fazit
Splittermond ist gestartet. Und wie! In meinen diversen Jahren Rollenspielerfahrung habe ich noch keine Weltenbeschreibung gelesen, die so durchdacht, organisch und interessant war wie diese. Gerade im deutschen Raum hebt sich die Qualität von DSA und auch von Midgard sehr ab. Wer Splittermond anfangs noch als zu ambitioniert bezeichnet hat dürfte zumindest jetzt eines Besseren belehrt worden sein. Natürlich muss sich Splittermond auch am wohl Ende April erscheinenden Regelband messen lassen. Mit dem Weltenband wurde jedoch ein wirklich runder Aufschlag gemacht, der treffsicher verwandelt wurde.

Bewertung 10 Mondsplitter waren drin. Selbst, wenn ich die vielen Götter und die geografischen Beschreibungen stark gewichten würde reicht es nicht aus um weniger als die Maximalwertung zu vergeben. Mir ist zwar klar, dass ich damit bei der ersten Rezension bereits die Latte enorm hoch lege, aber weniger wäre für das Werk auch wirklich nicht angemessen.

Deshalb: 10/10 Mondsplitter.

Sowohl der Weltenband, als auch der noch zu erscheinende Regelband können versandkostenfrei im Shop des Uhrwerk-Verlags bestellt werden.

2 Comments

  1. Daemon wrote:

    Willst Du den Blog nicht umbenennen in Splitterperser in Anlehnung an Jubelperser?

    Mittwoch, März 12, 2014 at 02:44 | Permalink
  2. Alagos wrote:

    Nur weil ich den Weltenband wirklich ausgesprochen gut finde? Das ist doch mal gelinde gesagt etwas sehr verengt.

    Mir ist durchaus bewusst, dass die Rezension subjektiv ist. Nur: Welche Rezension ist das denn nicht? Ich habe sogar lange überlegt gerade wegen solchen Kommentaren nicht die Maximalwertung zu vergeben, aber dann müsste ich mich doch mehr verbiegen, als wenn ich einfach meine Meinung sage.

    Grundsätzlich bin ich bei solchen Sachen schon ein sehr kritischer Mensch und ich bin mir sicher, dass 10/10 die absolute Ausnahme bleiben wird. Nur hat der Weltenband halt meiner Meinung nach wirklich die Messlatte für Weltenbeschreibungen ein Stück nach oben gelegt und dann möchte ich das auch dementsprechend würdigen.

    Ich bin mal gespannt auf die nächsten Publikationen und ob sie da mithalten können.

    Mittwoch, März 12, 2014 at 10:33 | Permalink

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