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[Karneval der Rollenspielblogs]: Neue Version – was nun?

Jeden Monat veranstaltet der Rollenspielblog-Crawler RSP-Blogs ein Karneval der Rollenspielblogs, das sich jeweils um ein spezifisches Thema dreht. Thema des aktuellen Monats ist “Neue Version – was nun?”.

Nun ist Splittermond noch nicht einmal in der ersten Version erschienen und ich müsste schon die NDA von Uhrwerk verletzen um über den Sprung vom Betaregelwerk zum Grundregelwerk zu sprechen, abgesehen davon, dass ich das Grundregelwerk selbst noch nicht kenne. Trotzdem möchte ich hier allgemein etwas zum Versionswechsel schreiben, da ich ebenso wie die meisten Rollenspieler schon mehrere miterlebt habe und es einfach sehr viel gibt, was man dazu schreiben kann.

Neue Version – was ist das eigentlich?

Erstmal möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, was eine neue Version eigentlich auszeichnet. Also abgesehen davon, dass sich [Rollenspiel X] nun [Rollenspiel X Version 2] nennt.

Grundsätzlich gibt es drei Ansätze für eine neue Version:

1. Kleinere Anpassungen im System um bekannte Fehler auszumerzen. Schöne Beispiele dafür sind DSA 4.1 im Vergleich zu 4.0 oder zumindest grundsätzlich auch DSA 4.1 zu DSA 5. Ebenso wohl(damit habe ich mich aber noch nicht beschäftigt): Midgard 4 zu Midgard 5.

2. Große Systemänderungen um komplett neue Möglichkeiten zu schaffen und das Spielgefühl massiv zu ändern. Beispiele dafür sind DSA 3 zu DSA 4, diverse D&D Editionssprünge und wohl(wenn es denn mal kommt) Exalted 2 zu Exalted 3 und neue World of Darkness1 zu 2(alles was ab “the god machine chronicles” erschienen ist, ist nWoD 2).

3. Die letzte Möglichkeit ist sicherlich die einschneidenste. Hier wird nicht nur das System geändert sondern gleich die ganze Spielwelt. Beispiele dafür ist der Sprung der alten WoD zur neuen WoD und (schon lange her) der Sprung von Midgard zur aktuellen Spielwelt.

Neue Version – warum eigentlich?

Eine weitere Frage ist, was eine neue Spielversion eigentlich bezwecken soll. Ich denke grundsätzlich kann man zusammen fassen, dass es darum geht das Spielsystem am Leben zu halten. Ob dies nun aus finanziellen Gründen geschiet oder um große Probleme der vorherigen Version auszumerzen kann da erstmal hinten anstehen. Im Rollenspielbereich verkaufen sich(normalerweise) Grundregelwerke einfach viel besser als Abenteuer und Regionalbeschreibungen, weshalb es natürlich einen gewissen Ansporn bei den Verlagen gibt auch neue Regelversionen zu produzieren. Das liegt natürlich gerade in Deutschland auch daran, dass der Markt klein ist und die Verlage sowieso nicht viel Geld verdienen. Da ist die “Cash-Cow” neue Edition natürlich reizvoll.
Aber auch für Spieler kann eine neue Version Vorteile haben. Zum einen kann man als Spieler “ganz neu” einsteigen und muss nicht viel Geld ausgeben um die wichtigsten Werke der gealterten Edition zu erwerben. Gerade bei DSA können da schon mal mehr als 100 Euro über den Tisch gehen(die grundlegenden “Wege” Bände + liber cantiones kosten schon knapp 170€). In einer neuen Edition, wo alle neuen Bände nacheinander erscheinen ist es sicherlich einfacher alle wichtigen Bände zu kaufen.

Natürlich gibt es, wie oben bereits dargestellt, nicht nur finanzielle Gründe für eine neue Edition. Gerade in Systemen mit vielen Regelbüchern sammeln sich mit der Zeit sehr viele Regeln, die sich entweder widersprechen, oder die einfach an zu vielen verschiedenen Stellen stehen. Um diese Problematik zu entschlacken kann eine neue Edition genutzt werden, neben der Möglichkeit sinnlose Regeln auch einfach zu streichen, oder zu verändern.

Neue Version – Probleme für ein System?

Eine neue Edition kann aber auch eine Gefahr für ein System sein. Und das aus einer Vielzahl von Gründen. Zum einen führt eine neue Version immer zu einer Spaltung der Spielerschaft. Auch dies kann man ziemlich gut bei DSA beobachten. Es gibt noch eine Vielzahl an Gruppen, die DSA 3 spielen, ebenso wie es sicherlich viele Leute geben wird, die DSA 4 weiter spielen werden. Ich persönlich finde das nicht als Problem, finde die Borniertheit einer Streitigkeiten, die daraus entstehen aber… interessant.(Man muss nur auf einem DSA-Stammtisch einwerfen, dass DSA3/4 besser sei. Und Popcorn rausholen).

Aber auch für die Konsistenz eines Systems kann eine neue Version problematisch sein. Zum Beispiel, wenn Dinge aus Abenteuer X in Version Y auf einmal gar nicht mehr funktionieren könnten. Da fragt man sich dann doch schon, warum das vorher ging und jetzt nicht mehr. Zaunpfähle Richtung DSA 5 muss ich jetzt nicht mehr winken, oder? ;).

Gerade bei einer neuen Version müssen EntwicklerInnen wirklich aufpassen, dass sie nicht Probleme produzieren, die eine komplette Version(und damit sicherlich ein Jahrzehnt eines Systems) ruinieren. Ein schönes Beispiel ist die neue WoD, die White Wolf beinahe komplett erledigt hätte. Wobei der Wechsel da wirklich sehr krass war und ich nicht denke, dass sich das Beispiel auf andere Systeme so übertragen lässt.

Neue Version – kann man sie vermeiden?

Am Ende möchte ich noch die Frage stellen, ob es immer neue Editionen geben muss. Und um ehrlich zu sein sehe ich das nicht. Ein System, das von Anfang an so konzipiert wird, dass es keine größeren Regellücken und Unstimmigkeiten gibt sollte grundsätzlich ohne neue Edition auskommen können. Natürlich schneidet sich der Verlag damit eine Cashcow ab, die aber durch eine Vielzahl von Möglichkeiten umgangen werden kann. Beispiel dafür sind: Neue Bände, mit Zaubern, neue Settings(mit anderen Zaubern, Göttern usw.) und natürlich einfach GUTE Abenteuer. Dafür braucht es natürlich ein wirklich gutes System(was ich bisher noch nicht gesehen habe) und einen Verlag, der bereit ist das Risiko einzugehen.

Fazit

Ich persönlich halte nicht viel davon alle 10 oder 15 Jahre eine neue Edition rauszubringen. Zum einen, weil die Spielerschaft fast unweigerlich gespalten wird und zum anderen weil jede neue Version ein Risiko für ein Spielsystem darstellt. Natürlich kann eine neue Version viele Vorteile haben. Aber ein Großteil der Vorteile liegt eigentlich in Fehlern der alten Version begründet, weshalb ich hoffe, dass es irgendwann ein System gibt, das gut genug ist um ohne neue Regeleditionen auszukommen(von Erratas rede ich ja noch gar nicht ;) ).

Ob Splittermond das wird möchte ich aber an dieser Stelle noch wirklich nicht einschätzen.

2 Comments

  1. Grimrokh wrote:

    Deine Frage
    “Am Ende möchte ich noch die Frage stellen, ob es immer neue Editionen geben muss.”
    beantwortest du doch im selben Absatz irgendwie selbst:
    “Dafür braucht es natürlich ein wirklich gutes System(was ich bisher noch nicht gesehen habe)” ;)

    Das perfekte System kann es mMn gar nicht geben, schon allein weil es so viele verschiedene Geschmäcker gibt, die extrem unterschiedliche und oft unvereinbare Erwartungen an ein RPG haben. Und diese ändern sich noch dazu mit der Zeit und damit meine ich auch den speziellen Geschmack jedes Einzelnen, der sich immer wieder verlagern kann.

    Eine neue Edition alle 10 bis 15 Jahre finde ich im Prinzip nicht schlimm, aber natürlich birgt dies die große Gefahr (auch durch Druck aufgrund außenstehender Kommentatoren, die einfach partout ein anderes Spiel- oder Regelkonzept haben wollen), dass ein Rollenspiel sich so stark verändert, dass es plötzlich nicht mehr die bisherige Spielerschaft anspricht, die nicht jede vermeintliche “Innovation” und momentan bejubelte Modeerscheinung gut findet.

    Mein Fazit:
    Neue Editionen sind in Ordnung, solange sie nicht zu häufig erscheinen und vor allem nicht das ursprüngliche Kernkonzept aushebeln und ein völlig anderes Spiel daraus machen, als man mit Edition 1 erschaffen hat. Kleinigkeiten in einzelnen Bereichen, die systemkonform optimiert werden können, wird es aber immer geben, da diese oft erst durch eine längere Spielpraxis aufgezeigt werden. Und die können dann in einer neuen Edition präsentiert werden, wenn sich genug davon angesammeln sollten.

    Samstag, Juni 7, 2014 at 06:44 | Permalink
  2. Alagos wrote:

    Mh du hast recht. Der Widerspruch ist mir gar nicht aufgefallen ;-). Ich glaube mein Problem mit neuen Editionen ist dass ich bisher meistens verschlimmbesserungen gesehen habe. Das erste System das mir in der neuen Etition besser gefällt ist die neue wod in der 2. Edition.

    Samstag, Juni 7, 2014 at 09:34 | Permalink

One Trackback/Pingback

  1. Ein Blick auf die neuen Schnellstartregeln | on Montag, Dezember 29, 2014 at 16:16

    […] Der Splitterträger zum Versionswechsel. […]

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